Mehrsprachigkeit & SEO auf Shopify

Der ultimative Erfahrungsbericht zu den Vor- und Nachteilen von Übersetzungsapps auf Shopify – Mersor Gründerin Stella berichtet über Mehrsprachigkeit & SEO auf Shopify

Mehrsprachigkeit und Übersetzungen – das hat bisher Shopify Händler im deutschsprachigen Raum so einige Schmerzen bereitet. Was ist die beste Lösung auf Shopify für einen mehrsprachigen und SEO-optimierten Shop? Bisher gibt es hierzu kaum aufschlussreiche Tipps oder Informationen für Händler und Händlerinnen in Europa. Umso mehr freuen wir uns, dass Stella, Gründerin der Berliner Marke Mersor, hierzu auf dem Berliner Shopify Meetup im Oktober 2019 über ihren langen Weg und die Erfahrung in Bezug zu diesem Thema berichtet hat, wie sie Mehrsprachigkeit und SEO Optimierung auf Shopify unter einen Hut bringen konnte. 

Wie alles begann…

Mersor ist im März 2018 von den beiden Gründerinnen Stella Maria Sorg und Lisa Meissner gestartet. Es ist eine online-fokussierte Marke für personalisierte Accessoires, die sie über ihren Shopify Shop www.mersor.de verkaufen. Zu ihren Produkten zählen Handtaschen, kleinere Lederpodukte und Technologie Accessoires. Kernmarkt ist der deutschsprachige Raum, wobei sie ihre Produkte weltweit verschicken. Im August 2019 hat Mersor den Merchant Inspiration Award für den bestaussehendsten Shopify Shop im deutschsprachigen Raum erhalten. 

Unmittelbar nach Beginn des Online-Shops wollte Stella ihren Shop in zwei Sprachen verfügbar machen: Deutsch und Englisch. Eine an sich recht einfach wirkende Maßnahme. Der Shop sollte auch mit zwei Sprachen weiterhin SEO-optimiert sein, sowohl für Englisch als auch für Deutsch. Zudem sollten bisherige Apps, die im Shop genutzt wurden, wie z.B. Landing Page Builder Apps wie Shogun, kompatibel sein. Denn der Shop sollte bestmöglichen Look & Feel für Besucher beider Sprachen bieten können. 

Schritt 1: Grundlagen schaffen

Zum kurzen Verständnis zeigen wir hier kurz auf was die Ausgangslage von Mersor zum Start war und welche technischen Einstellungen sie vornahmen. Dies hilft im Verlauf besser die Schwierigkeiten, Herausforderungen und Vor- und Nachteile der Sprach-Apps zu verstehen und bestmöglich auf seine eigene Situation übertragen zu können.

Die Haupt-Domain war www.mersor.com. Sie hatten einen Mix aus deutschsprachigen und ein wenig englischen Begriffen im Shop. Der Blog selbst war zu 100% auf Englisch. 

Von nun an sollte die Struktur klarer aufgeteilt sein zwischen den beiden Sprachen. Sie entschieden sich für die folgende Struktur: 

  • www.mersor.com: 100% englische Sprache und Inhalte & die “primary domain”
  • www.mersor.de: 100% deutsche Sprache und Inalte & die “secondary domain”

Schritt 2: Einbindung der Übersetzungsapp Langify

Um diese neue Struktur zu implementieren und umzusetzen wurde die Shopify App Langify genutzt. Diese kostet ca. 16 EUR / Monat, erlaubt manuelle Übersetzungen und ist teilweise SEO optimiert. Mehr Infos zu der App findet man hier:  https://apps.shopify.com/langify?locale=de 

Quelle: Slide vom Vortrag von Stella auf dem Shopify Meetup in Berlin – Okt ‘19 

Die Erfahrung mit Langify war zunächst gemischt. Es war ein fairer Preis in Hinblick darauf, dass man mit 16 EUR / Monat einen ganz neuen Markt erschließen konnte. Das Support Team war zudem stets sehr hilfsbereit und immer ansprechbar. Man musste nicht auf maschinelle Übersetzungen zurückgreifen (welche von Google abgestraft werden), sondern kann manuelle Übersetzungen hinterlegen. Ebenfalls das Hinterlegen von “Image Alt Texten” sowie Meta Titel & Beschreibungen ist möglich, welches ebenfalls relevant für ein besseres Google Ranking ist. Langify übernahm sogar das Implementieren der Sprachauswahl im Menü (etwas wofür man sonst beim Heranziehen eines Shopify Experten bereits fast 100 EUR vermutlich zahlen müsste). Und ein Punkt, der im späteren Verlauf relevanter wird: Langify garantierte stabile Übersetzungen und Leistung – etwas, das bei anderen Apps nicht der Fall ist.

Jedoch gab es auch Dinge, die nicht die Erwartungen der beiden Gründerinnen entspach: Eines der Hauptkriterien, dass die Übersetzungsapp mit bestehenden Apps kompatibel ist, war mit Langify nicht gegeben. Das bedeutet: All die Seiten, die Mersor mit der App Shogun gebaut hatten, konnte nicht übersetzt werden. Ebenfalls konnten keine Sitemaps (für das Google Ranking relevant, eine Art Inhaltsverzeichnis der Seite, das für Google hinterlegt wird auf der jeweiligen Sprache) für Google auf der übersetzten Sprache hinterlegt werden. Auch gab es einige individuelle Elemente auf der Seite, die nicht direkt von Langify erkannt wurden und erst nach Ansprache des Supports und Erstellen von “Custom Content” in der App übersetzt werden konnten. Ein etwas mühseliger und langwieriger Prozess. Außerdem sieht die Nutzeroberfläche von Langify auch nicht sehr modern aus und ist nicht sehr intuitiv in der Nutzung.

Dies war der Grund warum die beiden Gründerinnen sich aufmachten, um andere Möglichkeiten der Übersetzungen auf Shopify anzugucken. 

Vor- und Nachteile von Langify:

  • fairer Preis
  • überragendes Support Team
  • manuelle Übersetzung möglich
  • Image Alt Text Übersetzungen möglich
  • Meta Titel und Beschreibungen Übersetzungen möglich
  • Unterstützung beim Implementieren durch App Support
  • Stabile Lösung
  • Funktioniert nicht mit Pagebuilder Shopify Apps
  • Sitemaps können nicht hinterlegt werden
  • Einige Übersetzungen funktionieren nicht (es bedarf “Custom Translations” – etwas mühseliger Prozess)
  • Nutzeroberfläche wirkt altmodisch

Schritt 3: Der Wechsel auf die Übersetzungsapp Weglot

Neben Langify oft genannt und viel genutzt zur Implementierung von mehrsprachigen Shops auf Shopify ist die Shopify App Weglot. Sie ist mit rund 18 EUR / Monat in einer ähnlichen Preiskategorie wie die soeben vorgestellte App Langify. Anders als Langify bietet Weglot automatisierte Übersetzungen an und ist ebenfalls teilweise SEO optimiert. Nähere Informationen zu Weglot findet man hier: https://apps.shopify.com/weglot?locale=de

Nach dem Aufwand der implementierten Langify App, hatten sich Stella und ihr Team zum Wechsel zur Weglot App entschieden. Für einige Monate lief dies gut bis sie dann in erhebliche SEO Probleme gerieten. Um zu verstehen wie sie ihr SEO und Google Ranking optimieren können, haben sie sich Hilfe von einem befreundeten und in Berlin führenden SEO Experten geholt. Dieser war alles andere als angetan von den Techniken der Weglot App. 

Die Weglot App hat, anders als Langify, ein einfaches und intuitives Design und Nutzeroberfläche. Auch hier sind  “Image Alt Texten” sowie Meta Titel & Beschreibungen möglich im Shop zu hinterlegen, welches, wie bereits berichtet, ebenfalls relevant für ein besseres Google Ranking ist. Auch Weglot hat ein sehr engagiertes Support Team. Und, der große Pluspunkt, warum sich Mersor ebenfalls für den Wechsel zu Weglot entschieden hatte: Es war kompatibel mit der Landing Page Builder App Shogun. Sämtliche über diese App gebauten Seiten konnten mithilfe von Weglot ebenfalls übersetzt werden. Ein großer Pluspunkt im Vergleich zu Langify.

Wie jedoch bereits angedeutet brachte Weglot auch einige negative Überraschungen: Aus SEO Expertensicht war die Weglot App alles andere als ideal. Subdomains waren nicht SEO optimiert. Im Fall von Mersor konnte die Domain www.mersor.de nicht korrekt optimiert werden, sondern die App erstellte eine Subfolder Logik unter www.mersor.com/a/l/de. Zudem war sprachspezifisches Targeting nicht möglich mit Weglot. Für Werbungen, die auf deutscher Sprache geschaltet wurden konnte der Besucher nicht direkt auf die deutsche Seite geleitet werden, sondern wurde immer erst auf die englische Hauptseite gebracht – in Hinblick auf Conversion und User Experience ebenfalls sehr suboptimal. Auch Sitemaps, die für Google relevant sind, konnten nicht hinterlegt werden. 

Und: Die Weglot App wirkte nicht stabil und erlaubte sich im Falle von Mersor Performanceaussetzer. Der Sprachswitcher war zeitweise auf den Shopseiten verschwunden oder wechselte das Design. Ebenfalls verschwanden teilweise für kurze Zeit Übersetzungen. Eine Lösung, die kein solides Arbeiten erlaubte.

Nicht zuletzt ebenfalls etwas, das Mersor nicht überzeugte: Die Seite wurde automatisch übersetzt von der App. Dies scheint zunächst wie eine große Erleichterung. Anders als bei Langify musste man so nicht jedes einzelne Wort übersetzen, sondern Weglot übernahm dies für einen. Jedoch auf die Gefahr hin, dass bestimmte Begriffe falsch übersetzt wurden und nicht dem entsprachen, für das die App es ausgab. Ebenfalls das SEO litt unter den maschinell übersetzten Inhalten, da Google Shops hierfür bestraft.

Nach einigen Monaten realisierte das Team von Mersor also, dass die Weglot App nicht die richtige Lösung für ihr Setup und ihre Bedürfnisse war. Es brauchte eine andere Lösung.

Vor- und Nachteile von Weglot:

  • moderne & intuitive Nutzeroberfläche
  • Image Alt Text Übersetzungen möglich
  • Meta Titel und Beschreibungen Übersetzungen möglich
  • Sehr gutes Support Team
  • Kompatibel mit Pagebuilder Apps (z.B. Shogun)
  • Subdomains sind nicht SEO-optimiert (nur Subfolder Logik SEO-optimiert)
  • Marketing nach verschiedenen Sprachen mit Weglot nicht möglich
  • Sitemaps können nicht hinterlegt werden
  • Sprachauswahl verschwand teilweise
  • Design der Sprachauswahl änderte sich teilweise
  • Übersetzungen wurden teilweise nicht angezeigt
  • automatisierte Übersetzungen (Negativ für SEO)

Schritt 4: Analyse der aktuellen Situation und Neuausrichtung

Nach all den Schwierigkeiten, die aus der Nutzung der Weglot Übersetzungsapp entstanden sind, haben sich die beiden Gründerinnen noch einmal zusammengesetzt und die aktuelle Situation analysiert. 

Denn seit Beginn konnten einige Erkenntnisse gesammelt werden. 80-90% der Besucher waren demnach nicht englischsprachig, sondern deutschsprachig. Jedoch war die Hauptdomain mit www.mersor.com englischsprachig, deutsch war lediglich die zweite Domain und somit nicht SEO optimiert, sondern automatisiert übersetzt. Die in Shopify hinterlegten Inhalte waren Englisch. Viele der erstellten Seiten waren mit der Pagebuilder App Shogun erstellt worden.

Entsprechend mussten Änderungen vorgenommen werden. www.mersor.de sollte nun die Hauptdomain werden mit Inhalten 100% auf deutsch. Dies bedeutet: Alle Inhalte auf Shopify mussten übersetzt und neu erstellt werden. www.mersor.com hingegen sollte nun als Zweitdomain heruntergestuft werden, die englischen Inhalte abbilden und mithilfe der Übersetzungsapp abgebildet werden. Um bestmögliche Übersetzungen zu garantieren wurde der Anteil von Seiten, die mit Shogun erstellt wurden, minimiert und das Theme im Shop geändert.

Schritt 5: Zurück zu Langify

Wenn man vergleicht, was für Anforderungen Mersor hinsichtlich der Mehrsprachigkeit erfüllen sollte und welche Shopify Apps dies bestmöglich erreichen konnten, hatte das Team um Stella herum gemerkt, dass es keine perfekte Lösung gab. Jedoch kam unter den neuen Erkenntnissen die Langify App am nähesten an die ideale Lösung heran. Aus diesem Grund sah sich Mersor veranlasst den Schritt zurück zu Langify zu machen.

Mit den neuen Erkenntnissen und Umstellungen war es nun möglich, dass

  • der Shop mehrsprachig auf Deutsch und Englisch war
  • der deutschsprachige Shop SEO-optimiert war und der englische zumindest teilweise SEO-optimiert
  • dank eines Workarounds konnten die mit der Pagebuilder App Shogun gebauten Seiten ebenfalls nun mit Langify übersetzt werden
  • eine stabile Lösung im Shop für die Übersetzungen existierte

Der ideale SEO-Übersetzungscase: Multi-Shop-Instanz

Es gibt noch eine andere Lösung und Herangehensweise, die aus SEO Sicht der optimalste Weg ist beide Sprachen auf SEO zu optimieren: Multi-Shop-Instanz. Hierbei wird für jede eigene Sprache ein eigener Shop auf Shopify angelegt. So ist garantiert, dass für alle Seiten die bestmögliche Übersetzung hinterlegt werden kann, inklusive Sitemaps und allen weiteren SEO relevanten Dingen. 

  • bestmöglicher Ansatz für SEO
  • Sprachabhängige Werbung und Angebote
  • Apps erlauben Bestände, Inhalte & Co zwischcen den Shops zu synchronisieren
  • Höhere Kosten aufgrund von Apps & Gebühren
  • Hoher Aufwand der Pflege

Diesen ist Mersor jedoch bewusst nicht gegangen aufgrund des Aufwands und der daraus resultierenden Kosten. Der Multi-Shop-Instanz Ansatz empfiehlt sich vor allem für größere Shops, die die Ressourcen hierfür haben die verschiedenen Shops ausreichend zu betreuen. 

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